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Gründung & Recht

Was eine bulgarische Firma wirklich kostet: Versteckte Kosten und wie du sie erkennst

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch: What a Bulgarian Company Really Costs: Hidden Costs and How to Spot Them

Lichtspuren des Abendverkehrs auf einer bulgarischen Schnellstraße

Such nach „Firma in Bulgarien gründen“ und du findest Angebote von 89 € bis 1.700 € und mehr – für scheinbar dieselbe Leistung. Beide Enden der Spanne sind real, und beide können in die Irre führen. In diesem dritten Teil unserer Gründungsserie (hier sind Teil 1 und Teil 2) hängen wir an jede Kostenposition einer bulgarischen EOOD eine Zahl – an die im beworbenen Preis, und vor allem an die anderen.

Warum die Preisspanne so groß ist

Die günstigsten Angebote kommen von bulgarischsprachigen Online-Registraren für Einheimische: Dokumente online generieren, selbst zum Notar um die Ecke, elektronisch einreichen. Für einen Ansässigen können 89–130 € „all-in“ echt sein. Als ausländischer Gründer kaufst du ein anderes Produkt: zweisprachige Dokumente, eine Vollmacht oder einen begleiteten Notartermin, Übersetzungen, Bank-Koordination, eine Geschäftsadresse – und jemanden, der deine Fragen in deiner Sprache beantwortet. Dieses Serviceniveau steckt in den Angeboten zwischen 400 € und 1.700 €, in sehr unterschiedlichem Umfang.

Die Faustregel aus Teil 1 gilt hier in voller Länge: Die Eintragung ist der billige Teil – die laufenden Pflichten sind der echte Budgetposten.

Einmalige Kosten bei der Gründung

PositionTypische SpanneAnmerkung
Staatsgebühr Handelsregister~28 € online / ~56 € PapierElektronische Einreichung halbiert die Gebühr
Notar in Bulgarien10–30 €Unterschriftsprobe des Geschäftsführers etc.
Notar im Ausland stattdessen50–150 €+Ausländische Notare sind teurer
Apostille (Remote-Route)20–80 €Pro Dokument, je nach Land
Beglaubigte Übersetzungen~50–150 €Je nach Umfang (Schätzung)
Bank-/KYC-Kosten100–500 €Kapitalkonto, Kontoeröffnung, Bankgebühren für Nichtansässige
Kurier für Originale (remote)30–80 €Wird gern vergessen
Servicegebühr des Anbieters150–1.700 €Der beworbene „Gründungspreis“

Unabhängige, anwaltlich erstellte Aufstellungen beziffern eine unkomplizierte EOOD-Gründung für einen ausländischen Gründer auf grob 800–1.500 € all-in – daran kannst du sofort ablesen, wie ein 150-€-Schaufensterpreis zu lesen ist: Er deckt die Servicegebühr ab, nicht den Prozess.

Laufende Kosten – der Teil, der wirklich zählt

  • Monatliche Buchhaltung: faktisch Pflicht. Nach Art. 17 des Rechnungslegungsgesetzes muss der Jahresabschluss von einem qualifizierten Ersteller angefertigt werden; in der Praxis beauftragen über 95 % der bulgarischen Firmen eine Buchhaltungskanzlei. Typische Sätze: ab ~30 €/Monat für eine ruhende oder minimale Firma, 80–150 €/Monat für ein aktives Unternehmen ohne USt-Registrierung, 125–250 €/Monat mit USt-Registrierung. Wenn ein Anbieter Buchhaltung als „optional“ listet, lies das als „nicht enthalten“ – nicht als „nicht nötig“.
  • Geschäftsadresse: verlängert sich jedes Jahr. 120–540 € pro Jahr sind üblich. Achte auf Pakete, bei denen Jahr eins enthalten ist und der Verlängerungspreis nur im Kleingedruckten steht.
  • Jahresabschluss und Veröffentlichung. Die Körperschaftsteuererklärung (bis 30. Juni) und die Veröffentlichung des Jahresabschlusses (bis 30. September) werden oft zusätzlich zur Monatsgebühr berechnet – häufig eine Extra-Monatsgebühr. Frag nach.
  • Sozialversicherungsbeiträge. Als selbstversicherter Geschäftsführer zahlst du monatliche Beiträge auf mindestens das gesetzliche Mindesteinkommen – ein echter Monatsposten, den keine Gründungs-Preisliste erwähnt.
  • Kontoführung. Bulgarische Geschäftskonten kosten monatliche Gebühren; Strukturen mit ausländischen Inhabern zahlen teils Premium-Sätze.
  • Spätere Firmenänderungen. Neuer Geschäftsführer, neue Adresse, Anteilsübertragung, Namensänderung – jede Änderung ist eine neue Registeranmeldung mit Staatsgebühr, Dokumenten und oft Notar. Leicht zu vergessen, ärgerlich zu entdecken.

Die sechs Verstecke der versteckten Kosten

  • 1. „Ab“-Preise. „Gründung ab 150 €“ schließt meist Staatsgebühren, Adresse, Übersetzungen und alles Remote aus. Der „Ab“-Preis gilt für den einfachsten Inlandsfall.
  • 2. Mehrwertsteuer auf die Gebühr selbst. Viele beworbene Preise schweigen dazu, ob auf die Servicegebühr noch 20 % bulgarische USt kommen. 700 € + USt sind 840 €.
  • 3. „Optionale“ Buchhaltung. Die größte Auslassung am Markt. 150 € Gründung + 150 €/Monat Buchhaltung sind ein erstes Jahr für 1.950 €, nicht für 150 €.
  • 4. Remote-Zuschläge. Vollmacht, Apostille, zusätzliche Notartermine, Kurier – manche Anbieter berechnen pauschal 250 € und mehr, andere rechnen einzeln ab. Beides ist in Ordnung; Schweigen nicht.
  • 5. Verlängerung der Geschäftsadresse. Jahr eins im Paket, Jahr zwei zum vollen Preis – und ein späterer Adresswechsel ist selbst wieder eine kostenpflichtige Registeränderung.
  • 6. Bank-„Garantien“. „Garantiertes Bankkonto“ klingt nach Zusage; die Compliance-Abteilung der Bank hat sie nicht unterschrieben. Rechne mit KYC-Gebühren und der Möglichkeit einer zweiten Bank. Mehr zur Marketingsprache in Teil 5.

Ein realistisches Budget fürs erste Jahr

Für einen ausländischen Gründer mit einer einfachen, aktiven EOOD (ohne USt-Registrierung, gestellte Adresse, Buchhalter im Mittelfeld) sieht ein realistisches erstes Jahr so aus – als Schätzung, nicht als Angebot:

PositionSchätzung
Gründung inkl. Staatsgebühren, Notar, Übersetzungen, Servicegebühr400–1.200 €
Apostille, Kurier, Remote-Extras50–250 €
Bank/KYC100–500 €
Geschäftsadresse, Jahr 1120–540 €
Buchhaltung, 12 Monate960–1.800 € (bei 80–150 €/Monat)
Jahresabschluss80–250 €
Realistische Gesamtkosten Jahr 1≈ 1.500–3.500 €

Sieh dir an, was die Tabelle dominiert: nicht die Gründungsgebühr, sondern zwölf Monate Buchhaltung. Genau deshalb ist der Vergleich von Schaufenster-Gründungspreisen fast nutzlos.

Wie du Angebote richtig vergleichst

  • Vergleiche immer Gesamtkosten fürs erste Jahr, nie Gründungsgebühren. Stell jedem Anbieter dieselbe Frage: „Was habe ich nach 12 Monaten insgesamt an dich und an Dritte gezahlt – bei X Rechnungen im Monat und ohne USt-Registrierung?“
  • Lass dir die Ausschlüsse schriftlich geben. Ein seriöser Anbieter kann schneller aufzählen, was nicht enthalten ist, als was enthalten ist.
  • Kläre USt und Staatsgebühren bei jeder einzelnen Position.
  • Prüfe die Verlängerungspreise für Adresse und Buchhaltung nach Jahr eins.
  • Budgetiere die langweiligen Extras selbst: Sozialversicherung, Bankgebühren und als Puffer eine Firmenänderung pro Jahr.

Fazit

Eine bulgarische EOOD ist im EU-Vergleich wirklich günstig im Unterhalt – aber sie kostet keine 89 €. Plane realistisch mit 1.500–3.500 € für das erste Jahr und grob 1.200–2.500 € pro Jahr laufend (Buchhaltung, Adresse, Abschluss) – den Rest der Rechnung erledigt der 10-%-Steuersatz für dich. In Teil 4 schauen wir uns die Remote-Route im Detail an – was aus der Ferne wirklich funktioniert und woher die Zuschläge kommen.

Unser eigenes Gründungspaket für 400 € all-inclusive ist als Reaktion auf genau diesen Markt entstanden: ein Preis, offen benannte Ausschlüsse und ehrliche Antworten zu den laufenden Kosten, bevor du dich festlegst. Vergleich uns ruhig – bitte mit der Erste-Jahres-Frage. Wir beantworten sie gern.

Alle Zahlen sind eine Momentaufnahme vom Juli 2026 und marktübliche Spannen bzw. klar gekennzeichnete Schätzungen, keine verbindlichen Preise. Dieser Artikel ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung.

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